Projekt Einhorn
Der Name Einhorn verbindet uns mit dem einmaligen und mythischen Fabeltier. Einhörner sind sehr scheue und allein lebende Tiere, die nur zu bestimmten Menschen Vertrauen haben. Man sagt in der Mythologie, dass nur derjenige das Einhorn zu sehen bekommt, der fest daran glaubt. Das bedeutet für viele Menschen, dass sie es so gut wie nie zu Gesicht bekommen werden.
Hörgeschädigte leben oft, wie Einhörner, sehr zurückgezogen und meiden die angrenzende Gesellschaft. Gehörlosigkeit sieht und hört man nicht. Für die Mehrheit der Gesellschaft haben Hörgeschädigte etwas Fremdes an sich, etwas das man nicht kennt. Betrachtet man die Geschichte der Menschheit, wird immer wieder deutlich, dass Hörgeschädigte und Gehörlose nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft betrachtet werden. Folglich entwickelte diese Randgruppe der Gesellschaft eine eigene vollwertige Sprache: die Gebärdensprache. Diese Sprache ermöglicht den Hörgeschädigten die Kommunikation untereinander und mit ihrer Umwelt. Die Gebärdensprache wird von den meisten Nutzern hauptsächlich in DGS (Deutsche Gebärdensprache) oder in ihrer Unterform LBG (Lautbegleitende Gebärde)verwendet.
1880 wurde die Gebärdensprache nach dem Mailänder Kongress aus dem Schulunterricht verbannt. Folge dieses herben Rückschlags war eine jahrzehntelange miserable Bildungspolitik. Diese eingeschränkte Wissens- und Sprachkenntnis führte zu einer gesellschaftlichen Ausgrenzung und somit immer mehr zur Vereinsamung und Isolation der Hörgeschädigten.
Seit 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache als eigenständige Sprache anerkannt. Dies eröffnete dem Gebärdensprachler eine neue Dimension. Mit der erworbenen Grundsprache (DGS) und dem Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern stehen den Hörgeschädigten theoretisch die Türen zur hörenden Gesellschaft offen. Der Hörgeschädigte hat somit die Möglichkeit den gleichen Bildungsstand eines Hörenden zu erlangen, scheitert jedoch an den immer noch rückständigen Bildungs- und Förderungsmaßnahmen der Gesellschaft.
Mit den Veranstaltungen und Angeboten des Einhorn-Projektes soll den heutigen Kindern und Jugendlichen
die Strapazen der vergangenen Generationen sowie der Kampf um die Anerkennung der Gebärdensprache
und vorhandene Bildungsdefizite erspart werden.
Ziel ist es, hörgeschädigte Kinder und Jugendliche in ihrem unaufhaltsamen Drang nach Bildung, Wissen und Kunst sowie nach Anerkennung ihrer Kultur und Sprache zu unterstützen. Nur so kann ihnen der Weg in ein gleichberechtigtes Leben mit gleichen Chancen wie hörenden Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft geebnet werden.